Sonntag, 7. Oktober 2012

Rohe Sitten. Der Bericht.


Das Experiment ist lange zu Ende und ich lebe immer noch. Jetzt endlich der Bericht. Wer hätte das gedacht...
7 Tage lang ohne kochen, braten, garen, dünsten, schmoren, blanchieren, dampfen, erhitzen.
Das mag auf den ersten Blick etwas eintönig, unspannend und zum verhungern klingen.
Wenn man einen Nachteil hervorbringen will, dann kann man sagen, dass die Vielfalt, ein Nahrungsmittel zu essen, dadurch äußerst eingeschränkt wird.
Des Weiteren fallen die Lieblingsgerichte hier komplett flach. Wenn man sich als Fleischesser zu einem Vegetarier und/oder zu einem Veganer weiter entwickelt, hat man immer die Möglichkeit, Produkte alternativ zu ersetzen.
Aus gebratenem Fleisch wird gebratener Tofu. Zum Müsli gibt es Sojamilch anstelle von Kuhmilch. Und so weiter. Eine Anpassung stellt hier überhaupt keinen Qualitätsverlust dar. Im Gegenteil.
In meiner roh veganen Woche wurden Pfannkuchen, Pasta, Bratkartoffeln, Gemüse-Reis-Pfanne/Wok, auch mal eine Portion Pommes, Tee, Kaffee und Knabberkram allerdings ersatzlos gestrichen.

Aber diese Woche war auch ein Traum für einen Minimalisten.
7 Tage lang keine Vorbereitung, sondern einfach die Nahrung in die Hand nehmen und essen. Schnell und simpel. Kein bis kaum Geschirr für die Zubereitung und den Verzehr, also kaum Abwasch. Die Gedanken kreisten nicht ständig ums Essen und die Sorge, was esse ich bloß, was passt in die Zeitfenster zwischen Frühstück und Arbeit, oder Feierabend, Sport und Nachtruhe. Die Freiheit, nicht von einer Küche oder einem Restaurant abhängig zu sein, ist ebenfalls traumhaft. Roh kann man immer und überall essen.
Sofern man einen Kompost oder eine Biotonne hat, wird der Hausmüll auf ein Minimum reduziert. Keine lästigen und umweltschädlichen Verpackungen, kein Plastik und Papiermüll fallen an. Jedenfalls nicht direkt beim Endverbraucher. Der Abfall beschränkt sich auf die rein organischen Reste vom Obst und Gemüse.
Roh -oder in seiner rein natürlichen Form- zu essen, heißt auch, dass das Lesen von Zutatenlisten weg fällt. Das freut das Zeitmanagement beim Einkaufen und vor allem den Körper. Keine unbekannten, industriell hergestellten Erzeugnisse oder Zusatzstoffe werden konsumiert. Allergiker sparen sich das Gluten. Menschen mit echten Gewichtsproblemen aber auch nur Unzufriedene nehmen automatisch ab, da schlechte Fette und böser Zucker nicht zum Speiseplan gehören.

Apropos Speiseplan. Ich will jetzt hier nicht nochmal jeden Tag der Woche einzeln aufführen. Diese Details sind hier zu finden. Aber ein kleiner Überblick über die verzehrten Speisen gehört auf jeden Fall in diesen Bericht.
Ich fing die Test-Woche also recht unbedarft an und wusste nur sicher, dass ich so ziemlich jede Form von Obst und Gemüse mag.
Das hatte zur Folge, dass der erste Tag etwas zu hungrig daher kam, obwohl ich nicht wenig gegessen hatte. Wertvolle Tipps und Rückmeldungen habe ich zügig umgesetzt, sodass ab dem zweiten Tag alles satt und wohl genährt über die Bühne lief.
An vier von den sieben Tagen gab es jeweils einen Fruchtsmoothie. Jeden Tag standen Bananen auf dem Speiseplan, Ab dem zweiten Tag gehörten auch Birnen und zum Teil Mangos dazu. Grüner Salat an drei Abendenden muss ebenfalls erwähnt werden.

In diesen 7 Tagen fielen mir zum Opfer:

Äpfel: 4,5
Ananas: 1
Bananen: 40,5
Birnen: 19
Chia-Gel: einige Gramm
Chili-Bohnen: eine Dose
Datteln: 30
Gurken: 2
Haselnüsse: 2,5 Hände voll
Karotten: 13,5
Kidney-Bohnen: eine Dose
Kiwi gold: 8
Kiwi grün: 5
Kopfsalat: 1,25
Lauchzwiebeln: 7
Mais: zwei Dosen
Mandeln: 4 Hände voll
Mangos: 4
Orangen: 4
Paprika gelb: 1
Paprika grün: 1
Paprika rot: 3
Petersilie: ein paar kleine Sträuche
Sellerie: einige Stangen
Tomaten: 7
Weintrauben: 500 Gramm
Zwiebeln: 3

Das klingt nach recht viel. Am ersten Tag war ich leicht hungrig. Am letzten Tag kam ein kleiner Janker auf eingangs erwähnte Speisen auf. Ansonsten fühlte ich mich aber immer gesättigt und ernährt und in der Lage, mich sportlich zu betätigen. Der Körper hatte stets genug Energie, der Magen war aber nie zu voll für irgendetwas.
In dieser Woche gab es flotte Steigerungsläufe, Gewichterhöhung an den Hanteln,  Laufen und Jiu-Jitsu in Kombination und einen Wettkampf über 10km mit neuer, persönlicher Bestzeit. Ich kann also behaupten, dass mir die rohe Ernährung zu körperlichen Spitzenleistungen verholfen hat. Geistig war ich übrigens auch immer auf der Höhe ;-)
Gewicht und Fettgehalt habe ich, auch wenn sie mir sonst nicht wichtig sind, aus Interesse ebenfalls dokumentiert.
Startgewicht: 66,1 kg
Fettgehalt: 6,9 %
Zwischenzeitlicher Tiefstand lag nach dem Wettkampftag und geringer Ernährung (wer schläft, isst nicht) bei 63,5 kg und 5,9 %.
Am Ende der Woche konnte ich bei beiden Werten einen Minus-Trend ausmachen:
64,3 kg und 6,4 %

Was nehme ich aus dieser Woche mit und wie geht es weiter?
Die rohe Ernährung hat in jedem Fall meine minimalistische Ader und meine sportliche Leistungsfähigkeit angesprochen. Ökologische Gründe kommen hinzu. Der komplette Verzicht auf Lieblingsspeisen nagte am Ende allerdings ein wenig am Gemüt.
Die Idee, mich einen kompletten Monat roh zu ernähren habe ich recht schnell wieder verworfen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich an Werktagen roh esse und wenn am Wochenende die Zeit und Lust da ist, entsprechend zu kochen. Auf Grund der optimalen Verträglichkeit ist an Wettkampf- oder wichtigen Trainingstagen roh für mich jetzt schon Pflicht.


Vieles, was die Allgemeinheit über Ernährung weiß, kommt vom Hörensagen, aus Studien, die von Interessenverbänden der Industrie gefördert oder von Institutionen, die durch Lobbyismus beeinflusst wurden.
Was ich damit sagen will ist: probieren geht über studieren. Macht nicht alles, was einem von anderen gesagt wird. Wenn ihr eine Idee habt, arbeitet dran, setzt sie um. Macht was Verrücktes. Go vegan! Von mir aus auch roh... ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen